Gotter im Exil
Fruhneuzeitliches Dichtungsverstandnis im Spannungsfeld christlicher Apologetik und philologischer Kritik (ca. 1590-1736)
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Seit der Frhzeit des Humanismus hatten antike Weissagungen, Mythen und Orakel eine betrchtliche Rolle bei die Begrndung der "Wahrheit der christlichen Religion" gespielt. Die Entwicklung der kritischen Philologie im konfessionellen Zeitalter zeigt jedoch, da das Wahrheitspostulat in zunehmendem Mae durch eine historische Hermeneutik ersetzt worden ist. Argumente fr eine christliche Apologetik waren so kaum noch aus den heidnischen Traditionen, ihrer Mythologie und Kosmologie, zu gewinnen. Dieser bewutseinsgeschichtliche Wandel hat auch das Dichtungsverstndnis in unterschiedlichsten konfessionellen und intellektuellen Zusammenhngen geformt. Auf der breiten Basis gedruckter und handschriftlicher Quellen, die hier erstmals zugnglich gemacht werden, greift der Autor die hauptschtlichen Entwicklungslinien auf und rekonstruiert exemplarische Diskussionszusammenhnge innerhalb der europischen Gelehrtenkultur. Vor dem Hintergrund der am intensivsten in den Vereinigten Niederlanden ausgebildeten philologischen Kritik fhrt das Buch unter anderem zu einem neuen Verstndnis von Martin Opitz' Dichtwerk und gibt Einblick in die kognitiven Voraussetzungen der Poetik des Konvertiten und vatikanischen Bibliothekars Lucas Holstenius in den Jahren um Galileis zweite Verurteilung. Antiquarianismus, Astronomie und Sprachforschung der Zeit werden ebenso bercksichtigt wie die Sozialisation frhneuzeitlicher savants in den "Akademien". Eingehend wird die Interpretationsgeschichte der sibyllinischen Gesnge analysiert und gezeigt, welche Funktion mosaische Kosmologie und die neue Astronomie Keplers innerhalb des Hamburger Gelehrtenzirkels um Barthold Heinrich Brockes und Johann Albert Fabricius am Beginn des 18. Jahrhunderts eingenommen haben.
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