Cover of Theokrit, Bernd Effe (EDT): Gedichte

Theokrit, Bernd Effe (EDT) Gedichte

Griechisch - deutsch

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De Gruyter

2014

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292

978-3-05-006416-1

3-05-006416-1

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Von Theokrits Leben wissen wir wenig. Geboren wohl zu Beginn des 3. Jh.s. v. Chr. im sizilischen Syrakus, hat ihn das lndliche Lebensumfeld geprgt. Eine Reise nach Alexandreia, der Metropole des Ptolemerreiches, fhrte ihn vermutlich mit Kallimachos und Apollonios Rhodios sowie dem Lehrdichter Arat zusammen; belegt ist das freundschaftliche Verhltnis zu dem in Milet praktizierenden Arzt und Epigrammdichter Nikias. Als Todesdatum kommen die 60er Jahre in Frage, aber auch ein erheblich spterer Zeitpunkt. Die politischen und wirtschaftlichen Vernderungen seit dem 4. Jh. - die Herrschaft der Makedonenknige bedeutete das Ende der Autonomie fr die demokratisch organisierten kleinen griechischen Stadtstaaten - blieben nicht ohne Einfluss auf die Dichtkunst: Die Abkehr vom Gesellschaftlich-ffentlichen und die Hinwendung zum Elitr-Privaten; der Verzicht auf die groe Form des Epos und der Tragdie, statt dessen die Bevorzugung kleinerer Formen. Vorausgesetzt ist gleichzeitig ein verndertes Rezeptionsverhalten: Die Werke der alexandrinischen Dichter richten sich nicht an eine groe Zuhrerschaft im Theater, sie wollen vielmehr den gebildeten einzelnen Leser, der all die literarischen und mythologischen Anspielungen und Variationen bis hin zur Parodie verstehen kann, erreichen und erfreuen. Ebenso unverkennbar ist der Innovationswille bei den Themen der eidyllia ("Kleinformen") Theokrits: die Hirtenwelt mit einer besonderen Akzentuierung des Erotischen, das stdtische Leben, die lndliche Arbeitswelt der Bauern und Fischer... Die realittsgesttigte Darstellung des Alltags der kleinen Leute steht allem Pathos des Heroischen, das Archaik und Klassik prgte, vllig fern. Darber hinaus stellt die distanzierende Ironie mit ihren Hinweisen auf die Schwchen und Defizite der Protagonisten nicht nur einen deutlichen Gegensatz zur literarischen Tradition dar, sondern auch zu jenen Nachfolgern, die sich oft auf ein idealisierend-verengendes Theokrit-Bild berufen haben: Vergil und andere Bukoliker sowie die Verfasser von Schferdichtung spterer Zeit. Deren heile Idyllenwelt entspringt hufig der kitschig-verklrenden Sehnsucht moderner Stadtmenschen nach dem vermeintlich einfachen und natrlichen Landleben. Allein am Wort selbst ist die Bedeutungsverschiebung unverkennbar: Das realittsnahe "kleine Bildchen" (eidyllion) des Theokrit mit seinen oft derb-obsznen Spen hat wenig gemein mit der romantisierenden Idylle franzsischer Rokokodichtung.

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